7 Gründe für weiter sinkende Wasserverbräuche

Das Wasser sparen in Deutschland geht weiter. Vor wenigen Wochen verkündete das Statistische Bundesamt die neuen Werte für Deutschland. Demnach verbrauchten die Bundesbürger (Privathaushalte und Gewerbe) 121 Liter täglich im Jahr 2013. Die Werte bewegen sich zwar schon seit Jahren auf diesem Niveau, sie dürften aber trotz witterungsbedingter Spitzenverbräuche wie in diesem Sommer mindestens weiter stagnieren. Wahrscheinlicher aber ist, dass sie sinken werden, wie die nachfolgenden Gründe zeigen sollen:

1. Wasserspar-Motive der Privathaushalte

Immer mehr Konsumenten wollen Wasser sparen, wie Verbraucherbefragungen belegen. Dabei geht es um die Umwelt und die Kosten. Die eine Hälfte der Befragten will ihre Umwelt schützen, die hiesigen Ressourcen schonen oder den Verbrauch reduzieren, weil in anderen Weltregionen Knappheit herrscht. Die Medien berichten in letzter Zeit vermehrt über die Wasserkrisen in Brasilien, China oder in Kalifornien. Bei vielen Verbrauchern lösen diese Entwicklungen daher ein schlechtes Gewissen aus, wenn sie selber Trinkwasser auch für eigentlich nicht so dringende Zwecke einsetzen. Lieber greifen sie daher auf gesammeltes Regenwasser oder eigene Gartenbrunnen zurück und vermeiden den Griff zum Wasserhahn. Aber auch die Sparaufrufe der Landratsämter und Wasserversorger in Deutschland werden vielen Verbrauchern in Erinnerung bleiben, erst recht dann, wenn die Hitze erst einmal vorüber ist.

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Wasserspar-Aufruf in Bayern (BR, 12.8.2015)

Die andere Hälfte der befragten Verbraucher möchte die Haushaltsausgaben für Trink- und Abwasser verringern. Immerhin sind die in vielen Regionen die Abwassergebühren fast doppelt so hoch wie die Trinkwasserentgelte, so dass sich dadurch das Trinkwassersparen noch mehr lohnt. Ob sich die Sparerfolge auch wirklich im Haushaltsbudget niederschlagen, hängt bei Mietern in Mehrfamilienhäusern davon ab, ob der Wasserverbrauch in den Wohnungen erfasst und individuell zugerechnet wird. Erfolgt die Betriebskostenberechnung dagegen nur mittels Quadratmeter oder Personen im Haushalt, könnten die Nachbarn den Sparerfolg zunichte machen. Das ist auch der Grund, weshalb in Mehrfamilienhäusern die Verbraucher sich nicht so stark von Wasserpreisveränderungen leiten lassen und wegen steigender Wasserpreise ihre Sparanstrengungen steigern.

Lohnendes Wassersparen (Grafik: Siegfried Gendries)
Lohnendes Wassersparen (Grafik: Gendries)

2. Social Metering oder Community Benchmarking

Ein Trend aus den USA. Die dramatische Trockenheit im Südwesten der USA ist ein Quell innovativer Ideen zum Wassersparen. Intelligente Zählern (so genannte Smart Meter) messen den Verbrauch bei Strom, Gas und vermehrt auch bei Wasser. Die Verbräuche und die Einsparungen werden dann in Online-Portalen angezeigt und in Gruppen bei Facebook oder in Nachbarschaften miteinander verglichen. Die erfolgreichsten Sparer lassen sich feiern. Anbieter von intelligenten Zählern und IT haben die Lösungen bereits im Angebot. Auch bei Facebook und Twitter häufen sich in den USA die Seiten mit Wasserspartipps und innovative Anbieter haben bereits Wasserspar-Apps für Android- und IOS-Produkte im Angebot.

Wasserspar-Apps
Wasserspar-Apps

Erst wenige Wochen auf dem Markt, da kann auch schon die Apple Watch ihre Stärken unter der Dusche ausspielen. Sie ist nämlich wasserdicht und bietet daher ein “Shower Dashboard”, so die gleichnamige App, die dem Anwender spielerisch Kontrolle über sein Duschverhalten bieten und ihn erinnern soll, wenn seine Duschzeit abgelaufen ist. Damit soll weniger Wasser verbraucht werden. “Kalt duschen!”, könnte ein Tip lauten. Damit liesse sich dann nämlich Energie sparen. Dann kann es zumindest hierzulande ruhig etwas länger dauern.

3. Demografischer Wandel

Weniger Menschen bedeuten weniger Trinkwassernachfrage. Städte und Dörfer in Ostdeutschland verlieren noch immer Einwohner. In manchen Regionen mag die Bevölkerung wachsen, aber nicht alle Städte und Regionen üben so starke Anziehungskräfte aus, wie die Metropolen Hamburg und München oder wie die Studentenstädte Aachen und Münster. Viele Regionen insbesondere in Ostdeutschland verlieren ihre Einwohner und damit auch die Trinkwassernutzer. Das hat aber nicht nur Auswirkungen auf die Nachfragemenge, sondern auch auf die Nutzung der technischen Anlagen. Insbesondere bei den Rohrnetzen kann dies problematisch werden. Denn dort wo wenig Wasser fliesst, droht Stagnation. Dort wo Wasser stagniert, können sich Keime bilden und die Wasserqualität beeinträchtigen. Daher müssen viele Versorger die Leistungsnetze mit Trinkwasser spülen.

Die demografische Entwicklung hat auch Auswirkungen auf Gebühren und Preise. Da bei vielen Entgeltsystemen für Trink- und Abwasser die zu zahlenden Beträge von der Abnahmemenge abhängen, sinken die Einnahmen der Ver- und Entsorger. Weil aber die Kosten zu einem Großteil mengenunabhängig sind, ist die Kostendeckung bedroht der Anlagenbetreiber. Das muss zu steigenden Gebühren und Preisen führen oder Kostensenkungen. Nicht immer aber ist dort noch genügend Spielraum. So wurde auf einer Wasserkonferenz im Saarland aufgezeigt, dass die Kosten nicht mehr gedeckt sind. Preissteigerungen sind also unausweichlich. Wer sich als Politiker weigert, erforderliche Preissteigerungen politisch zu vertreten, sollte nicht überrascht sein, wenn er später mit Versorgungsunterbrechungen oder Qualitätsbeeinträchtigungen konfrontiert wird. 

4. Technischer Fortschritt

Jede neue Waschmaschine, jeder neue Geschirrspüler benötigt weniger Wasser als das jeweilige Vorgängermodell. Innerhalb von zwanzig Jahren ist bei Waschmaschinen der Wasserbedarf um 85 Liter je Waschgang gesunken. Das sind mehr als Zweidrittel. Die Logik ist einfach: je mehr Wasser, desto mehr Energie wird benötigt. Auch bei Duscharmaturen sinken die Wasserverbräuche.

Innovationen hierfür kommen erstaunlicherweise jetzt auch aus den USA, wo bisher Wassersparen etwas für Umweltschützer war. So wie der Duschkopf von Nebia, der 70 Prozent weniger Wasser verbrauchen soll. Das Start-Up lässt sich seine Produktidee über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanzieren. Wie dieses Beispiel zeigt, finden immer mehr Wassersparideen neue Märkte und Finanziers. Diese Produkte werden zukünftig auch ihren Weg nach Europa und Deutschland finden.

5. Energie & Wasser Sparen

In Haushalten werden bis zu Dreiviertel des Trinkwassers erwärmt. Um Energie zu sparen, wird daher im Haushalt auch weniger Trinkwasser gebraucht. Geräte und Armaturen, die Wasser erwärmen, werden immer effizienter und benötigen daher nicht nur immer weniger Energie, sondern auch immer weniger Wasser. In den USA wurde berechnet, dass etwa drei Prozent der landesweit erzeugten Energie, genug um sieben Millionen Haushalte zu versorgen, nur für die Reinigung des Abwassers benötigt werden.

In deutschen Durchschnittshaushalten werden schätzungsweise Zweidrittel bis Dreiviertel des benötigten Wassers erwärmt. Ohne warmes Wasser kann keine Wäsche gewaschen und kein Geschirr gespült werden. Auch Hygiene findet mindestens unter der Dusche mit warmen Wasser statt.

Wassernutzungen mit Energiebedarf (Gendries)
Wassernutzungen mit Energiebedarf (Gendries)

 

 

 

 

 

 

6. Regulierung der Europäischen Kommission

Wasservorräte sind in Europa ungleich verteilt. Während Spanien, Italien, Malta und sogar England Versorgungsengpässe bei Wasser verzeichnen, treten solche Knappheiten in Deutschland nur selten und in wenigen Regionen auf. Trotzdem will die EU den Wasserverbrauch in Europa auf ein geringeres Niveau regulieren. Das hat sich bereits bei Duscharmaturen und Waschmaschinen niedergeschlagen. Im Rahmen der Öko-Design-Richtlinie und der europäischen Wasserstrategie werden noch weitere Geräte folgen.

7. Wassersparen in Gewerbe und Industrie

Untersuchungen zur Veränderung der Wassernachfrage auf Preisveränderungen haben gezeigt, dass Unternehmen alle sich bietenden Möglichkeiten ausschöpfen, um ihre Ressourcenkosten zu minimieren. Die Technologien zum Wassersparen, aber auch Kreislaufsysteme und Regenwassernutzungen finden immer mehr Anwender. Nicht nur der Kostendruck ist ein weiterer Treiber für mehr Ressourceneffizienz, auch Investoren fragen immer häufiger nach nachhaltigem Umgang mit knappen Ressourcen. In England hat die Lebensmittel- und Getränke produzierende Industrie ihren Wasserverbrauch innerhalb von sieben Jahren um 15 Prozent reduziert.

Diese Entwicklung registrieren wir auch in Deutschland, allerdings wird der produktspezifische Nachfragerückgang nach Wasser durch die höheren Stückzahlen überlagert. So berichtet das Umweltbundesamt, dass zwischen 1995 und 2010 in den meisten Produktionsbereichen die benötigten Wassermengen abnahmen oder stagnierten. Das lag vor allem daran, dass Unternehmen Wasserkreisläufe durch technologische Prozessintegration und Membrantechnik besser schließen konnten. Überdurchschnittlich sank der Wasserverbrauch in zwei Branchen: in der Textilindustrie um 52 %, in der elektrischen Industrie um 57 %. Das lag daran, dass in beiden Branchen aufgrund struktureller Anpassungen an den Weltmarkt Produktionskapazitäten in Deutschland gesenkt wurden.

Der Automobilhersteller FORD verkündete in seinem letzten Nachhaltigkeitsbericht einen Erfolg seiner Wassersparinitiative. Demnach hat der weltweit agierende Konzern den Wasserverbrauch je Fahrzeug von 2009 bis 2013 um 30 Prozent reduziert. Mit diesem Wert hat er die Zielmarke sogar zwei Jahre früher als geplant erreicht; er war erst für 2015 vorgesehen. Auch Volkswagen setzte sich das Ziel, seinen Wasserverbrauch zu senken – von 2010 bis 2018 um 25%. Dabei wurde beispielsweise Wasserfussabdrücke von drei PKW-Typen auf der gesamten Lebenszyklus-Kette untersucht. Dort setzten dann umfassende Optimierungen an, die auch die Zulieferer einschlossen, die 90% des Gesamtwasserverbrauchs verursachen. Damit konnte VW lauf Nachhaltigkeitsbericht, seinen spezifischen Wasserverbrauch je Fahrzeug von 5,1 Kubikmeter in 1999 auf 3,0 Kubikmeter in 2012 senken. In 2018 dürften es dann nur noch weniger als 2,5 Kubikmeter sein – eine Halbierung innerhalb von 20 Jahren. Und das sind nur einige Beispiele, wie die Industrie ihren Wasserverbrauch kontinuierlich reduziert. 

Fazit:

Viel mehr als sieben Gründe für ein anhaltendes Wasser sparen auch in Deutschland. 

1 Comment

  1. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel! Warum hab ich Ihren spannenden Blog erst jetzt entdeckt? Ich freu mich schon, alle anderen Beiträge zu lesen. Als Mitarbeitende beim Schweizer Hersteller von wassersparenden Duschköpfen und Werbemitteln, AquaClic ist es immer schön, neue und andere Aspekte und Meinungen kennenzulernen.

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