Die Niederlande wählen Wasserschaftsräte

Wenn die Niederländer am Mittwoch ihre Provinzparlamente wählen, können sie noch auf einer zweiten Liste ihr Kreuz machen. Erstmals stehen gleichzeitig die Führungsgremien der „Waterschappen“ (wörtlich: Wasserschaften) zur Wahl. Knapp 13 Millionen Einwohner der Niederlande sind aufgerufen, die sogenannten Wasserschaftsräte zu wählen. Die insgesamt 24 Waterschappen des Landes sind für den Schutz vor Hochwasser und die Reinigung des Abwassers verantwortlich. Sie verfügen über Zuständigkeiten für den Wasserhaushalt und die Erhaltung von Straßen und Brücken in einem bestimmten Gebiet. Die Waterschappen haben das Recht, selbst eine spezielle Steuer zu erheben, damit sie ihre Aufgaben erledigen können. Sie müssen auch für die Qualität der Deiche und Wasserwehre sorgen. Insgesamt bestimmen sie über Ausgaben in Höhe von rund 2,6 Milliarden Euro in diesem Jahr. Sie haben das Recht, selbst eine spezielle Steuer zu erheben, damit sie ihre Aufgaben erledigen können. Je Haushalt sind das zwischen 200 und 400 Euro im Jahr.

Zur Wahl stellen sich an diesem Mittwoch (18. März) landesweite politische Parteien sowie lokale und regionale Vereinigungen und spezifische Wasserparteien. Wer sich für die Parteiprogramme interessiert, findet hier den Link zur Allgemeinen Wasserschaftspartei.

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Waterschappen gibt es seit dem Mittelalter. Im 9. Jahrhundert begannen die Bauern, sich gegen die Fluten zusammenzuschließen. In Genossenschaften bauten sie Deiche, Kanäle, Schleusen und hielten sie gemeinsam instand. Später legten sie große Wasserflächen trocken, die „Polder“. An der Spitze einer Waterschap steht – noch immer – der „Deichgraf“, wie ihn Theodor Storm im „Schimmelreiter“ beschrieb: eine früher zentrale, heute nicht mehr ganz so wichtige Figur in der lokalen Hierarchie. Es findet zur Zeit eine Diskussion darüber statt, ob die Waterschappen noch zeitgemäß sind. Aber die Selbstorganisation gegen die drohenden Wassermassen hat sich in den vergangenen Jahrhunderten bewährt. Da diese Form auch in den anderen europäischen Regionen immer bedeutender wird, mag das niederländische Modell am Ende sogar beispielhaft sein.

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