Proteste in Irland und Sachsen gegen Wasserpreissysteme

Die irischen Proteste gegen die Einführung eines Wasserpreissystems für Haushaltskunden nehmen an Schärfe zu. Jetzt formiert sich Widerstand gegen die bevorstehenden Rechnungen. Nur vier von zehn irischen Wasserkunden wollen für ihr Wasser bezahlen, wenn sie im April erstmalig eine Rechnung erhalten. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 1.096 Iren durch die überregionale Zeitung Independent.
Nach Einführung des Wasserpreissystems hatte es in den vergangenen Monaten heftige Proteste gegeben, weil die Iren, die es gewohnt waren, ihr Trinkwasser und die dazugehörigen Versorgungsleistungen kostenlos zu beziehen, erstmalig für Wasser bezahlen sollen.

Q: INDEPENDENT (IE)
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Hierzulande ist es dagegen eine Selbstverständlichkeit, für den Wasseranschluss und die abgenommene Trinkwassermenge zu bezahlen. Dass die Medien dann gelegentlich über Widerstand gegen eine Wasserrechnung eines deutschen Versorgers berichten, bestätigt die Zahlungsmoral der Bundesbürger wenn es um die Trinkwasserversorgung geht, schliesslich will man ja nicht auf dem Trocknen stehen. Von einem solchen Fall berichtet dieser Tage die Sächsische Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Ein 77-jähriger Kunde der Wasserversorgung Bischofswerda verweigerte die Zahlung seiner Grundgebühren für den Wasseranschluss, weil er dank einer Eigenversorgung mittels Brunnen nicht auf die öffentliche Trinkwasserversorgung zurückgreift. Da er diese nicht in Anspruch nähme, so seine Argumentation, wolle er dafür auch nicht bezahlen. Um 600 Euro geht es mittlerweile. Zwischenzeitlich sollte er sogar in Erzwingungshaft, was sein Hausarzt aber verhindern konnte, weil der Rentner nicht hafttauglich sei. Der Wasserverband fordert von Hauseigentümern, ihr Grundstück nicht nur ans öffentliche Netz anzuschließen und dafür zu bezahlen, sondern daraus auch das Trinkwasser zu beziehen. Wie der Streit zwischen dem Wasserkunden wider Willen und dem Wasserversorger ausgeht, muss jetzt ein Gericht klären.

Einen weiteren gravierenden Unterschied gibt es zwischen den Entwicklungen in Irland und in Sachsen.  Während auf der grünen Insel bei der nächsten Protestwelle am 21.3. wie schon im November und Dezember über 100.000 Menschen erwartet werden, dürfte der sächsische Rentner kaum viele Unterstützer erhalten.

 

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